Sex in Zeiten der Cholera
Juni 29, 2007
Vollkommen bildlich gesprochen natürlich. Ich habe dreimal mit dem Mann geschlafen, seitdem ich es weiß. Ich reflektiere momentan über alles mögliche, und auch darüber, und um ehrlich zu sein, fällt mir gerade nichts ein, worüber ich sonst schreiben könnte.
Das erste Mal war direkt an dem unsäglichen Freitag, dessen Vormittag ich heulend auf dem Sofa verbracht habe, hin und hergerissen zwischen dem Ziehen eines Schlussstrichs und der Vergebung, und dessen Nachmittag sich der Mann für mich freigenommen hatte, um für mich vermeintlich Kranke zu kochen und dabei in der Küche über mich herzufallen. Warum habe ich das gemacht, so unmittelbar nach der Beichte? Kann ich nicht sagen. An jenem Freitag war ich vollkommen taub. Ich habe mir mehr Sorgen darüber gemacht, dass der Mann mich hasst, weil ich seine SMS gelesen habe, als dass ich ihn hassen muss, weil er mich betrogen hat. Ich war nicht wirklich klar im Kopf.
Das zweite Mal war kurz nach der Rückkehr von meiner wochenendlichen Flucht in die Heimat zu den Eltern (Flug war schon seit Wochen gebucht, aber es war auch ganz gut, an dem Freitagnachmittag verschwinden und Abstand gewinnen zu können). Da war es weniger ein übereinander Herfallen als eine zärtliche Reminiszenz an die Anfänge unserer Beziehung. Warum ich das gemacht habe? Ich weiß es nicht. Ich habe nicht nachgedacht. Ich weiß aber noch, dass ich am Wochenende daheim dachte, dass ich erst einmal nicht mit ihm schlafen und all seine möglichen Versuche in diese Richtung abblocken werde. Und dann war es so schön, wie es sein soll.
Das dritte Mal war heute morgen, zum wach Werden sozusagen. Wer kommt auch einfach so um sieben in der Früh bei plärrendem Regen aus dem Bett? Ich zumindest nicht. Warum ich es gemacht habe? Bestimmt nicht nur zum wach Werden.
Ich weiß nicht, manche mögen sagen, ich hätte den Mann mit sexueller Nichtachtung strafen sollen. „Sei nicht so zärtlich in nächster Zeit“, lautete der Rat einer noch jungfräulichen, beziehungsunerfahrenen Freundin, der ich mich nach einem schwachen Moment anvertrauen musste. Sie hat gut reden. Ich will nicht das Leben führen, was ich vorher hatte (immer noch denke ich in der „vorher“-Kategorie), aber ich will schon gar nicht Wohnung und Bett mit einem Mann teilen und zulassen, dass wir uns voneinander entfremden. Wie kann ich ihn nicht küssen? Wie kann ich nicht noch ganz andere Dinge mit ihm anstellen? Und es ist sehr leicht, all dies zu tun. Ich vergesse, wenn ich ihn küsse. Mir kam nicht einmal der Gedanke an M., bei keiner horizontalen Begegnung. Ich glaube, das ist ein gutes Zeichen. Wenn er mich vergessen lassen kann, gibt es Hoffnung.