Wider die Schwäche!

Juni 25, 2007

Die Chemie muss nun richten, was ich und der Mann bei mir nicht mehr heil machen können. Die „Sibirischer Ginseng“ Kapseln versprechen „erhöhte Leistungsfähigkeit und eine Kräftigung und Vitalisierung des ganzen Organismus“. Ich hab wirklich keine Lust mehr, mich ständig nur schwach und elend zu fühlen. Wunderbar, wenn es funktionieren sollte – ich sag dann Bescheid.

Ich denke, der Fairness halber sollte ich erwähnen, dass M. ebenfalls seit Freitag vorletzter Woche vor den Scherben ihrer Beziehung steht. Ihr Kerl, der schon länger von ihrem Ausrutscher wusste (ich sagte ja, dass absolut jeder es vor mir wusste – aber gut, der Kerl kennt mich nicht, bzw. ich habe ihn einmal gesehen, er weiß nicht meinen Namen und er hatte wohl auch keine Möglichkeit, mir Bescheid zu sagen), hat sie verlassen. Aus gegebenem Anlass verweigere ich meiner Neugierde, mich über 100 Ecken nach dem aktuellen Stand in ihrem Liebesleben zu erkundigen, aber ihr Kerl scheint nicht mit der Geschichte klar zu kommen, was ich grundsätzlich nachvollziehen kann. Ich sag’s mal kurz, ohne mich dafür zu schämen: Haha. Ein kleiner Ausbruch von Schadenfreude. Irgendwann werde ich vermutlich auch wieder ein netterer, mitfühlenderer Mensch, der sich nicht freut, wenn anderen etwas Unschönes passiert. Ich weiß allerdings auch noch nicht, ob ich bei M. nicht in alle Zeiten eine Ausnahme von meiner Nettigkeit machen werde. Ich weise auch noch mal schnell auf das Offensichtliche hin: selbst schuld. Warum hält sie nicht einfach ihre kleinen, miesen Krallen von meinem Mann fern? Das hätte ihr und mir einiges erspart. Aber der Mann ist wohl auch nicht ganz unschuldig.

Es ist irgendwie leichter, meine Wut in M.s Richtung zu kanalisieren. Natürlich würde ich dem Mann am liebsten eine Ohrfeige verpassen, aber ich kann das nicht. Ich räche mich subtiler, er soll durchaus Anteil haben, wenn es mir schlecht geht (denn es ist doch immerhin so, dass es ihm automatisch nicht gut geht, wenn es mir nicht gut geht): Ich weine ein bisschen, ich schaue traurig, ich bin abwesend. Ich lege es gar nicht mal darauf an – es entspricht durchaus der Art, wie ich mich fühle. Aber: Er merkt, dass er Mist gebaut hat. Immer, immer wieder. Und zur Not rufe ich ihm das ins Bewusstsein. Mein schlechtes Gewissen hält sich in Grenzen.

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