Abschied

Juli 19, 2007

Wenn Du Dir das hier anschaust – ich nehme an, dass Du es tust – dann behalte im Hinterkopf, dass ich so gut wie nie geschrieben habe, als ich glücklich war. Und die letzten waren nicht fünf katastrophale Wochen meines Lebens voller Unglück. Es gab so viele, kleine, gute Momente, die mich natürlich nicht bedrückt haben. Da hatte ich nicht das Bedürfnis, irgendetwas aufzuschreiben. Du hast ganz am Anfang mal geschrieben, Du wüsstest nicht, ob ich etwas mit dem Inhalt Deiner Email anfangen könnte, sie diene eher dazu, den Inhalt Deines Kopfes zu sezieren. Du hast den dann unterteilt in „Vernunft“ und „alles, was mit Dir [also mir] zu tun hat“ :-) .  Das hier war meine Sezierung.

Vielleicht bin ich sogar froh, dass Du mich entdeckt hast. Auch wenn das hier als Tagebuch durchgeht, kann ich nicht leugnen, erleichtert zu sein. Ich will nicht, dass noch etwas zwischen uns steht – auch nicht die Gedanken, die ich mir in schlechten Momenten so mache und gemacht habe. Ich will nur, dass alles wieder gut wird.

Vielleicht schreibe ich unter anderem Namen weiter; wahrscheinlich aber nicht, auch wenn es mir um die (ich muss es einmal sagen) gar nicht so schmale Leserschaft Leid tut.  Aber so wie ich das hier nicht für Dich geschrieben habe, habe ich es auch nicht um des gelesen Werdens willen geschrieben, sondern nur für mich allein. Der Blog hat seine Funktion erfüllt – und jetzt verloren. Bis nachher am Telefon ;-) .

Ab morgen bin ich weg. Für vier Wochen werde ich den Mann nicht sehen – es geht ins Ausland für mich. Danach wohl eine Stippvisite des Mannes, dann, wenn es gut geht, sehen wir uns bis Dezember im Zweiwochenrhythmus. Der Mann ist mit Arbeit eingedeckt, es wird ihm wenig Zeit bleiben für einen Fehltritt – zumindest in den nächsten vier Wochen. Angst ihn allein zu lassen, habe ich dennoch. Was macht er, wenn er einsam ist? Wem wendet er sich zu? Wirklich mir? Nicht wieder jemand anderem? Noch einmal derselben – M., die jetzt ohne Beziehung ist, die schon einmal etwas gesucht hat, dass sie bei meinem Mann zu finden glaubte, es dann wohl doch nicht gefunden hat – versucht sie es noch einmal? Oder versucht er es noch einmal? Sucht er sich seinen Ausgleich zur stundenlangen, monotonen, anstrengenden Arbeit bei einer anderen Frau, wenn ich nicht da bin, um ihn abends aufzufangen?

Es quält, morgen gehen zu müssen, und wenn am Bahnhof Tränen fließen – so wie jetzt gerade -, dann nicht nur wegen des Abschiedsschmerzes, sondern auch wegen der Ungewissheit der Zukunft und der Lügen und Betrügerei der Vergangenheit. Ich liebe ihn so sehr, aber es ist einfach nicht mehr wie vorher und ich weiß nicht, ob es noch einmal so unbeschwert werden wird, ob dieses Ungleichgewicht in unserer Beziehung irgendwann einmal verschwinden wird.

Es ist ein dummer Gedanke, das weiß ich im Grunde auch, aber vielleicht sollte ich es ihm heimzahlen, ihn zurück betrügen mit jemandem, der ihm Tag für Tag über den Weg läuft, damit er sich bei jeder Begegnung so fühlt als sei er ein eingesperrtes Tier, das nicht entkommen kann; nicht nur, um ihm zu demonstrieren, wie das ist, wie es sich anfühlt, von dem Menschen, den man am meisten liebt, dem man am meisten vertraut hat, hintergangen zu werden, sondern auch, um sagen zu können: „So, wir sind quitt.“ Aber natürlich weiß ich, dass es das nicht besser macht, sondern nur schlimmer.

Ich träume so oft von M. Es sind Alpträume kraft ihres Gegenstandes – ich habe während der letzten vier Wochen (mit wenig Erfolg) versucht, ihr so gut wie möglich aus dem Weg zu gehen, aber sie beschäftigt mich so sehr, dass ich es nachts zumindest nicht abschütteln kann. Wovor man am Tag wegläuft, sucht einen in der Nacht heim – ich wünschte, es wäre nicht so, ich wünschte, ich hätte irgendeinen Einfluss auf meine Träume; dann würde ich nachts in die Vergangenheit gehen, als es noch friedlich war und zwar nicht immer perfekt, aber doch harmonisch und auf eine sehr alltägliche Art zufrieden. Jetzt ist einfach nur Unruhe und Ungewissheit bezüglich dessen, was wird. Was wird? Was wird aus ihm, wenn ich fort bin, was aus mir – und was aus unserer Beziehung? Kann ich es aufrecht erhalten, will ich? Ich bin einfach so müde, all das, was mir anhängt und was ich nicht sagen kann – „Doch, ich zweifle jeden Tag, ob ich wirklich bei Dir bleiben soll“, „Ich habe Angst, Dich zu verlieren“, „Bist Du ein notorischer Betrüger?“, „Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass Du mir so etwas noch einmal antust?“, „Wärst Du an meiner Stelle gegangen? Sei ehrlich“, „Kannst Du Dir den Druck ausmalen, der bei jeder unfreiwilligen Begegnung mit M. auf mir lastet?“, „Kannst Du im Ansatz nachvollziehen, wie kaputt ich bin? Durch Dich? Du, der Du mein Held und Retter sein wolltest? Realisierst Du, dass mein Herz gebrochen ist, kaputt zu Deinen Füßen liegt und sich fürchtend zitternd wartet, dass Du noch einmal darauf eintrittst?“ – belastet mich unheimlich. Ich bin froh, wenn ich während der nächsten Wochen Abstand gewinnen kann; aber ich habe Angst, einfach nur Angst, dass der Abstand zu groß wird – oder zu groß ist und ich mich nur wehre, mir das einzugestehen. Es gibt diese kleinen, wunderbaren Momente, die mich wieder glauben lassen; aber wenn ich allein bin mit meinen Gedanken, gibt es nur noch Negativa, böse Träume und Angst vor der Zukunft, die doch immer eine zu zweit sein sollte – und weder eine zu dritt noch eine für mich allein.

Rückschläge

Juli 10, 2007

Ich weiß es seit dem 08.06.

Am 18.06. hat M. meinen Mann angerufen.

Seit dem 08.06 hätte klar sein müssen, dass das nicht geschehen sollte. Dass er einen solchen Anruf zumindest nicht entgegennimmt. Hat er aber. Was macht er sonst noch so? Weiß ich es? Nein Könnte ich es ihm glauben, würde er es mir erzählen? Nein, offensichtlich kann ich ihm gar nichts mehr glauben.

Fraglich nur, ob und wie ich das anspreche. Denn mal wieder habe mit seinem Handy telefoniert, mal wieder hab ich den Drang verspürt, herumzuschnüffeln in Sachen, zu denen mir kein Zugang gewährt ist – als „Kontrolle“, „nur mal schauen, ob“, „wird schon nicht, weiß ich doch, aber…“. Aber offensichtlich ist mein Misstrauen gerechtfertigt.

Und um ehrlich zu sein, hatte ich mir fest vorgenommen, dass jeglicher Kontakt zu M. einen Trennungsgrund darstellen würde. Jetzt habe ich meinen Trennungsgrund. Was mach ich denn nur? Jeder Ratschlag ist willkommen.

Demütigung

Juli 5, 2007

Das ist das Wort, wonach ich irgendwie gesucht habe: Demütigung. Es ist demütigend, M. jeden Tag zu sehen. Es ist demütigend, wenn mir ihre Freunde über den Weg laufen. Es ist jedes Mal eine Niederlage. Jedes Mal dieselben dummen, dummen Gedanken: „Oh, M. ist aber schlank.“ „Oh, M.s Haare sind ganz schön hübsch.“ Oh, was hat M. nur, was ich nicht hab? Und gleich darauf die nüchternere Betrachtung: Nein, sie ist nicht hübscher als Du. Ihre Nase ist zu groß. Sie ist schlanker, so what? Ich bin größer, das gleicht sich aus. Meine Haare sind meterlang und wunderschön. Ich hab nicht an drei Tagen hintereinander dasselbe Oberteil an. Ich kokettiere nicht mit einer „Ich komme aus dem schlimmsten Stadtteil Berlins, bemitleidet mich, meine Kindheit war furchtbar“-Nummer, die so verzweifelt um Aufmerksamkeit heischt. Ich flirte nicht auf Teufel komm raus jeden Mann an, der mir über den Weg läuft. Ich rauche nicht. Ich bin hübscher. Und dann wieder ein „Aber Ihre Ergebnisse waren besser als meine vor einem Jahr.“

Mag der Mann das lieber? Steht er auf etwas kleiner, zu große Nase, dafür schlanker und mit besserem Klausurergebnis? Mein Selbstvertrauen hat solch einen Knick bekommen. Dafür fange ich jetzt schon an, wie M. durch die Welt zu laufen: Schaut, meine Brüste! Schaut sie euch an, jeder darf mal gucken. Meine Shoppingaktion von Montag hat jedenfalls tief dekolletierte Tops zum Ergebnis, die mir wahnsinnig gut stehen und die den Mann rasend eifersüchtig machen müssen. Aber er sagt kein Wort. Er darf auch nicht. Es geht mir gut, ich fühle mich hübsch, wenn mir der Blick eines anderen Menschen sagt, was ich beim Mann so schnell vergessen habe: Ich bin hübsch.

Ich bin hübsch, ich bin nett, ich bin intelligent, ich bin nicht langweilig und in ungefähr vier Jahren fange ich einen Job mit unverschämt hohem Einstiegsgehalt an. Ich bin hübsch.

Und ich habe nicht verdient, dass man mich daran zweifeln lässt. 

Drei Wochen hat es gedauert. Erst jetzt habe ich mich getraut zu fragen, bzw. gestern Abend schon, immerhin. Im Bett liegend, beide hundemüde, mal wieder, mit den typischen Bettzeit-Gesprächen beschäftigt – noch einmal sagen, dass man den anderen liebt, und noch mal und noch mal und noch mal – und zwischen den „Ich Dich auch“’s hab ich einfach gefragt: „Wie lang hat das gedauert mit M.?“ Ich kenne mittlerweile sein verschämtes, betretenes Schweigen, das nach solchen Fragen erst einmal kurz in der Luft hängt, wenn er überrascht ist, wie rasant ich von zärtlich-lieb-verschmust zu abgeklärt-traurig-fordernd wechseln kann. Meine Stimme bricht jedes Mal, wenn ich das Thema auf M. bringe, Schwäche schwingt mit, jedes Mal. Ich kann es nicht verhindern. Jedenfalls schwieg er kurz und gestand dann ein „So drei Wochen“ ein.

Ich verbringe die meiste Zeit meines Tages an der Seite des Mannes. Er hat sich Minuten dieser Zeit gestohlen, um sie mit ihr zu verbringen. Sie haben sich nie außerhalb getroffen, nie länger als wenige Minuten. Das klingt zunächst nicht so schlimm, aber es waren meine Minuten, die er weggenommen hat, meine allein, und er hat sie einer anderen geschenkt. Das trifft, wie jedes seiner Eingeständnisse trifft.

„Nur eine Schwärmerei“ ist auch so ein gemeines Eingeständnis. Nur eine Schwärmerei, nur eine Verknalltheit, längst vorbei, in etwas verrannt, nicht eine Sekunde daran gedacht, Dich zu verlassen – vielen Dank. Denn es ist doch zwangsläufig so, dass neben dem mir, neben dem uns Platz genug war, dass M. ihre diebischen Fühler ausstrecken und sich hineindrängen konnte. Schlimmer noch, neben dem uns war Platz genug, dass das Herz, das nur ich zum Klopfen bringen sollte, auch für M. geschlagen hat, dass Platz war, dass er sich nicht nur freut, neben mir aufzuwachen sondern darauf, dass er M. in ein paar Stunden sieht, dass M. ihm Zeit genug schenkt, dass er ein paar meiner Minuten wegnehmen und sie ihr zuwenden kann.

Im Nachhinein bedeutet es ihm nichts – aber für mich gibt es kein „während der Zeit mit M.“, „Läuterung“ und „rückblickend“; für mich gibt es nur die Tatsache, dass ihm M. während drei Wochen immerhin so viel bedeutet hat, dass er mich belogen hat, betrogen, hintergangen, verraten, mein seliges, grenzenloses Vertrauen missbraucht hat.

Woran merkt man, dass man verziehen hat? Hört dann das Misstrauen auf, ist man dann nicht mehr so traurig? Oder kann nur vertrauen, fröhlich sein, wenn man vergessen hat? Ich vergesse den Vertrauensbruch nicht; ich bin sicher, dass ich ihn verzeihen kann. Aber noch schwebt er über allem, mein persönliches Damoklesschwert, die ständige Erinnerung, dass die Geschichte mit dem Vertrauen ein äußerst fragiles Gebilde ist, das sich leicht zerstören lässt – wenn man denn will. Ich will es nicht aufgeben, ich bin bestimmt nicht diejenige, die den Faden durchtrennt, damit das Schwert herunterfällt. Aber ich bin leider auch nicht mehr die, in deren Macht es steht, den Faden geknüpft zu lassen.

Vollkommen bildlich gesprochen natürlich. Ich habe dreimal mit dem Mann geschlafen, seitdem ich es weiß. Ich reflektiere momentan über alles mögliche, und auch darüber, und um ehrlich zu sein, fällt mir gerade nichts ein, worüber ich sonst schreiben könnte.

Das erste Mal war direkt an dem unsäglichen Freitag, dessen Vormittag ich heulend auf dem Sofa verbracht habe, hin und hergerissen zwischen dem Ziehen eines Schlussstrichs und der Vergebung, und dessen Nachmittag sich der Mann für mich freigenommen hatte, um für mich vermeintlich Kranke zu kochen und dabei in der Küche über mich herzufallen. Warum habe ich das gemacht, so unmittelbar nach der Beichte? Kann ich nicht sagen. An jenem Freitag war ich vollkommen taub. Ich habe mir mehr Sorgen darüber gemacht, dass der Mann mich hasst, weil ich seine SMS gelesen habe, als dass ich ihn hassen muss, weil er mich betrogen hat. Ich war nicht wirklich klar im Kopf.

Das zweite Mal war kurz nach der Rückkehr von meiner wochenendlichen Flucht in die Heimat zu den Eltern (Flug war schon seit Wochen gebucht, aber es war auch ganz gut, an dem Freitagnachmittag verschwinden und Abstand gewinnen zu können). Da war es weniger ein übereinander Herfallen als eine zärtliche Reminiszenz an die Anfänge unserer Beziehung. Warum ich das gemacht habe? Ich weiß es nicht. Ich habe nicht nachgedacht. Ich weiß aber noch, dass ich am Wochenende daheim dachte, dass ich erst einmal nicht mit ihm schlafen und all seine möglichen Versuche in diese Richtung abblocken werde. Und dann war es so schön, wie es sein soll.

Das dritte Mal war heute morgen, zum wach Werden sozusagen. Wer kommt auch einfach so um sieben in der Früh bei plärrendem Regen aus dem Bett? Ich zumindest nicht. Warum ich es gemacht habe? Bestimmt nicht nur zum wach Werden.

Ich weiß nicht, manche mögen sagen, ich hätte den Mann mit sexueller Nichtachtung strafen sollen. „Sei nicht so zärtlich in nächster Zeit“, lautete der Rat einer noch jungfräulichen, beziehungsunerfahrenen Freundin, der ich mich nach einem schwachen Moment anvertrauen musste. Sie hat gut reden. Ich will nicht das Leben führen, was ich vorher hatte (immer noch denke ich in der „vorher“-Kategorie), aber ich will schon gar nicht Wohnung und Bett mit einem Mann teilen und zulassen, dass wir uns voneinander entfremden. Wie kann ich ihn nicht küssen? Wie kann ich nicht noch ganz andere Dinge mit ihm anstellen? Und es ist sehr leicht, all dies zu tun. Ich vergesse, wenn ich ihn küsse. Mir kam nicht einmal der Gedanke an M., bei keiner horizontalen Begegnung. Ich glaube, das ist ein gutes Zeichen. Wenn er mich vergessen lassen kann, gibt es Hoffnung.

Feindkontakt

Juni 26, 2007

Eben hat M., die eine Etage tiefer sitzt, mich via Skype kontaktiert. „M.T. möchte mit Ihnen Kontaktdaten austauschen“, dazu ein markiger, sehr M.-iger Spruch über meinen Skype-Namen. Mein Herz hat kurz ausgesetzt, dann wurde mir schlecht und dann war ich sehr, sehr wütend – „“Was denkt die sich denn bitte? Das kann ja wohl nur ein Versehen der unverzeihlichsten, dümmsten Sorte sein. “ Das waren meine nicht sehr liebreizenden Gedanken. Ich habe die Einladung erst mal angenommen, wollte sehen, was da wohl kommen möge. Hier das, was ich zu ihr gesagt habe:

„ich bin nicht wirklich deine beste freundin im moment, M., jude law hin oder her. und um ehrlich zu sein wär’s mir auch lieber, du ließest mich noch eine weile in ruhe. ich spar mir auch die moralpredigt und so – aber trotzdem.“

Souverän, nicht wahr? Und doch gleichzeitig sehr subtil Schuldgefühle vermittelnd. Ich war sehr stolz auf mich. Das kam zurück:

„äh… weiß grad nicht worum es geht – entschuldige. selbstverständlich lass ich dich in ruhe. keine sorge.“

Darauf meine Erklärung, gerade ihren Wunsch zum Kontaktdatenaustausch erhalten zu haben, darauf ihre Entschuldigung, das müsse schon ein bisschen her sein und dieses:

„du darfst sehr gern ablehnen. dafür verständnis zu haben schaff selbst ich.“

Danach habe ich sie ohne weiteren Kommentar stoisch aus meiner Kontaktliste gelöscht, mein Herz schlug wieder ruhiger und die Übelkeit war auch weg. Halleluja.

Schlampe.

Wie baue ich in die vor sich hin plänkelnde Konversation ein: „Ach ja, wann hat es eigentlich angefangen und wie lang ging es? Und wie oft habt Ihr Euch getroffen?“ So zwischen zwei Bissen in einen Apfel, oder in einer Werbepause? Beim Abtrocknen des Geschirrs? Abends im Bett, wenn wir uns gegenseitig müde quasseln?

Kennt Ihr diese Dinge, die Euch auf der Seele brennen, deren Dringlichkeit sich durch einfaches zur Sprache Bringen vermutlich verringern ließe? Aber ich sprech es trotzdem nicht an. Die Antwort wird in ihren Grunzügen ohnehin lauten, „Es hat nichts bedeutet“. Bin ich einfach nur naiv oder drängt sich da auch anderen die Frage auf, warum es dann überhaupt nötig war, es zu tun? Achselzucken als Antwort, immer nur ein vager Erklärungsversuch – aber vermutlich wäre es schlimmer, könnte er es erklären. Vermutlich wäre es schlimmer, wenn er sagen würde, „Mir hat was gefehlt“, „Sie hat mir was gegeben“, „Es war schön“. Vielleicht sagt er es auch einfach nur nicht, um mich nicht zu verletzen. Vielleicht vielleicht vielleicht. Es wäre leichter, würde ich fragen.

Ist der feste Vorsatz für heute Abend: fragen. Jetzt ist es leicht, mir das mahnend zu sagen, weil der Mann nicht hier ist, im Leichtathletikverein ein Probetraining macht und danach nach Hause verschwindet, während ich wohl erst mit der letzten Bahn ins traute Heim einkehren kann. Bin also gespannt, wie lange der Vorsatz hält. Ich habe da so eine Ahnung: bis zum „Nächster Halt: …straße“. Oder auch: bis zum Geräusch des sich im Schloss drehenden Schlüssels. Bis zur Begrüßung. Bis zum ins Bett Gehen.  Bis zum Einschlafen. Dann fehlt wieder der Mut.

Wider die Schwäche!

Juni 25, 2007

Die Chemie muss nun richten, was ich und der Mann bei mir nicht mehr heil machen können. Die „Sibirischer Ginseng“ Kapseln versprechen „erhöhte Leistungsfähigkeit und eine Kräftigung und Vitalisierung des ganzen Organismus“. Ich hab wirklich keine Lust mehr, mich ständig nur schwach und elend zu fühlen. Wunderbar, wenn es funktionieren sollte – ich sag dann Bescheid.

Ich denke, der Fairness halber sollte ich erwähnen, dass M. ebenfalls seit Freitag vorletzter Woche vor den Scherben ihrer Beziehung steht. Ihr Kerl, der schon länger von ihrem Ausrutscher wusste (ich sagte ja, dass absolut jeder es vor mir wusste – aber gut, der Kerl kennt mich nicht, bzw. ich habe ihn einmal gesehen, er weiß nicht meinen Namen und er hatte wohl auch keine Möglichkeit, mir Bescheid zu sagen), hat sie verlassen. Aus gegebenem Anlass verweigere ich meiner Neugierde, mich über 100 Ecken nach dem aktuellen Stand in ihrem Liebesleben zu erkundigen, aber ihr Kerl scheint nicht mit der Geschichte klar zu kommen, was ich grundsätzlich nachvollziehen kann. Ich sag’s mal kurz, ohne mich dafür zu schämen: Haha. Ein kleiner Ausbruch von Schadenfreude. Irgendwann werde ich vermutlich auch wieder ein netterer, mitfühlenderer Mensch, der sich nicht freut, wenn anderen etwas Unschönes passiert. Ich weiß allerdings auch noch nicht, ob ich bei M. nicht in alle Zeiten eine Ausnahme von meiner Nettigkeit machen werde. Ich weise auch noch mal schnell auf das Offensichtliche hin: selbst schuld. Warum hält sie nicht einfach ihre kleinen, miesen Krallen von meinem Mann fern? Das hätte ihr und mir einiges erspart. Aber der Mann ist wohl auch nicht ganz unschuldig.

Es ist irgendwie leichter, meine Wut in M.s Richtung zu kanalisieren. Natürlich würde ich dem Mann am liebsten eine Ohrfeige verpassen, aber ich kann das nicht. Ich räche mich subtiler, er soll durchaus Anteil haben, wenn es mir schlecht geht (denn es ist doch immerhin so, dass es ihm automatisch nicht gut geht, wenn es mir nicht gut geht): Ich weine ein bisschen, ich schaue traurig, ich bin abwesend. Ich lege es gar nicht mal darauf an – es entspricht durchaus der Art, wie ich mich fühle. Aber: Er merkt, dass er Mist gebaut hat. Immer, immer wieder. Und zur Not rufe ich ihm das ins Bewusstsein. Mein schlechtes Gewissen hält sich in Grenzen.

Die Fertigmacher-Fragen

Juni 24, 2007

Ich glaube, das hier ist mein Problem: nicht reden. Ich will nicht mit dem Mann sprechen. Es fällt mir zu schwer. Der Mann spricht aber auch nicht mit mir, obwohl ich im Grunde nichts anderes will, als dass er es doch tut.

Ich glaube mittlerweile wirklich, dass der Mann meint, es sei alles wieder gut. Auf irgendeiner schlauen Seite hab ich gelesen, dass eine Beziehung ein Jahr braucht, um sich von einem Fremdgehen zu erholen. Kann man da was von abziehen, wenn kein Sex im Spiel war? Ich liebe ihn, aber ich vertraue ihm nicht. Ich schiele auf seinen Laptop, wenn ich ihn aus den Augenwinkeln lachen sehe – mit wem chattet er da, wer bringt ihn zum Lachen, welche wird die Nächste sein oder ist es gar wieder M., zu der ich strikt den Kontakt untersagt habe? Ich frage mich, wenn er kurz verschwindet, wohin er geht, was er da macht und mit wem er es macht. Und ich frage mich, ob sich das je wieder ändert. Ich will mir diese Fragen nicht stellen, sie machen mich fertig. Ich habe momentan gar keine Zeit, dass meine Gedanken nur mit seinem Verbleib beschäftigt sind – keine Zeit, keinen Nerv, keine Kraft.

Wäre er nur irgendwie bemühter um mich - aber er ist es gar nicht. Er ist in einer Bringschuld, und bei mir kommt nichts an, nur der dahindümpelnde Alltag, den wir vorher auch hatten und an dem grundsätzlich nichts Schlechtes ist; leider passte er hervorragend zu meinem Leben vor Freitag, letzte Woche, aber so gar nicht mehr zu dem Leben jetzt. Ich habe keinen Alltag mehr, ich habe ein chaotisches Leben, das ich erst einmal ordnen muss und in dem der Mann sich erst einmal seinen Platz suchen muss bzw. er abwarten muss, welchen Platz ich ihm zuteile. Aber er scheint gar nicht zu verstehen, dass es so aussieht. Im Gegenteil – er freut sich, dass ich bleibe. Sagt, dass er mich liebt. Wir schlafen Arm in Arm ein. Schön? Ja. Genug? Zumindest zu bezweifeln.